Im Mittelpunkt des Vortrags stand der Vergleich: Ein Kind mit AD(H)S sei wie ein Ferrari mit Fahrradbremsen – voller Energie und Ideen, jedoch oft ohne die passenden Möglichkeiten zur Steuerung und Regulation. Ziel sei es, Unfälle zu vermeiden, indem man sowohl Schwierigkeiten als auch Chancen wahrnimmt, die mit einer AD(H)S einhergehen.
Im Vortrag ging es vor allem um drei Säulen: Verständnis für Kinder, Anpassung der Umwelt und gezieltes Training von Strategien. Kinder mit AD(H)S funktionieren häufig anders als Gleichaltrige. Hilfreich können hier zum Beispiel feste „Motz-Zeiten“ vor den Hausaufgaben sein, in denen das Kind seine Frustration wegen der Aufgaben ausdrücken darf, bevor es mit diesen startet. Es wurde empfohlen, verschiedene Lernorte und Lernzeiten zu testen, passende Hintergrundgeräusche zu finden und Body Doubling (d.h. die Anwesenheit einer weiteren Person im Raum) in den Lernalltag zu integrieren. Auch der Umgang mit Fehlern ist sehr wichtig: Diese sind Helfer, keine Zeugnisse des Scheiterns. Ein Growth Mindset zu entwickeln, sowohl als Eltern als auch als Kind, ist sehr wichtig. Wichtige Werkzeuge sind zum Beispiel Wenn-dann-Pläne, die Sichtbarmachung von Zeit mittels Timer oder Uhren sowie das systematische Erlernen der Führung eines Hausaufgabenhefts.
Ein weiterer Schwerpunkt des Vortrags war die Kommunikation zwischen Elternhaus und Lehrkräften. Hier wurde die Bedeutung kooperativer, lösungsorientierter Gespräche betont, um gemeinsam geeignete Wege für das Kind zu finden.
Auch der Nachteilsausgleich wurde thematisiert. Frau Strahl wies darauf hin, dass konkrete Vorschläge der Eltern im Antrag hilfreich sind. Dabei gilt es zu beachten, dass ein Nachteilsausgleich nicht das Aussetzen von Noten oder eine generelle Reduzierung der Anforderungen bedeutet.
Frau Strahl gab viele Literaturempfehlung bzw. verwies auf Instagramprofile und Websiten. Mit dem Thema „Lernen und AD(H)S“ beschäftigen sich u.a. Stefanie Rietzler und Fabian Grolimund („Erfolgreich lernen mit ADHS und ADS“), Saskia Niechzial („Ein Kopf voll Gold“) und Caroline von St. Ange („Alles ist schwer, bevor es leicht wird“).
Der Vortrag fand großen Zuspruch; Frau Strahl erhielt am Ende viel Applaus und Lob für ihre praxisnahen Hinweise.
Im kommenden Schuljahr wird die Vortragsreihe fortgesetzt. Die Termine geben wir Ihnen rechtzeitig bekannt. Sollten Sie Anregungen oder spezielle Interessen haben, wenden Sie sich gerne an uns.
Susanne Weber
(Leiterin der Orientierungsstufe)