Lesung mit Tijan Sila am Paul-von-Denis-Gymnasium

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Am 10. Februar 2026 fand in der Bibliothek des Paul-von-Denis-Gymnasiums in Schifferstadt eine besondere Lesung statt.

Zu Gast war der bedeutende Autor und Ingeborg-Bachmann-Preisträger Tijan Sila.

Schulleiterin Frau Kleinschnitger eröffnete die Veranstaltung mit einer kurzen Begrüßung und stellte Autor Tijan Sila sowie seinen Begleiter Dr. David Emling vor, der später auch das Gespräch mit Tijan Sila führte.

Zum Einstieg las Frau Kleinschnitger zwei Texte von Helga Schubert aus deren Buch „Vom Aufstehen“ vor, die David Emling zuvor als „Zitat des Monats“ auf seiner Website veröffentlicht hatte: „Etwas erzählen, was nur ich weiß. Und wenn es jemand liest, weiß es noch jemand. Für die wenigen Minuten, in denen er die Geschichte liest, in der unendlichen, eisigen Welt.“ Und weiter: „Ich muss nicht ertrinken in diesem Meer. Es kann auch alles darin versinken, es liegt nun an mir.“

Beide Zitate passen besonders gut zu Tijan Silas autobiografischem Roman Radio Sarajevo, in dem er seine Erlebnisse aus der Kindheit im Bosnienkrieg eindrücklich vermittelt.

Tijan Sila, 1981 in Sarajevo als Tvrtko Zuljević geboren, veröffentlichte 2023 seinen Roman Radio Sarajevo.

Im Interview erzählte er, dass er seinen früheren Verlag verließ, weil er sich dort wenig unterstützt fühlte. Eine Freundin gab ihm schließlich die Möglichkeit, seine Lebensgeschichte in ihrem Verlag zu veröffentlichen – mit nur einem Jahr Zeit für das gesamte Buch. Sila nahm die Herausforderung an und schaffte es, den Roman in nur einem Jahr zu schreiben. In Radio Sarajevo schildert Tijan Sila seine Kindheit im Krieg, die Flucht 1994 und seine Ankunft in Deutschland. Heute arbeitet er als Lehrer und lebt mit seiner Frau und seiner Tochter in der Pfalz.

Auf die Frage, ob die Zeit mit seiner Tochter und seine Rolle als Vater seine Texte beeinflusse, antwortete er offen, dass genau diese Erfahrungen ihm helfen, Emotionen bewusster wahrzunehmen und in seine Texte einfließen zu lassen – etwas, das in seiner eigenen von Angst geprägten Kindheit kaum möglich war.
Während der Lesung las Herr Sila mehrere Passagen aus Radio Sarajevo und gab zusätzlich einen ersten Einblick in seinen neuen, noch unveröffentlichten Roman Schade, Schade, Schokolade, in dem er seine Geschichte nach der Ankunft in Mannheim weitererzählt.

Durch die Lesung und das persönliche Gespräch konnten die Schüler und Schülerinnen einen persönlicheren Einblick in die Lebensgeschichte und die leidvollen Erfahrungen im Krieg bekommen. Aber auch diente die Lesung als Inspiration, etwas anderes zu lesen und sich auf schwierige Themen einzulassen.

Nach dem Interview hatten anschließend auch die Schülerinnen und Schüler Gelegenheit, viele Fragen an Tijan Sila zu stellen, die von ihm sehr offen und persönlich beantwortet wurden. Unter anderem welche zu seinem Autorenleben oder wie er seine Gefühle in seine Texte einbringt.

Am Ende hatten alle noch die Möglichkeit, ihre Bücher signieren zu lassen.

Wenke Bimberg, 10a
 

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